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Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger KonsumSchreibwerkstatt Exploring Ecological Economics

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Exploring Ecological Economics

Das Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der TU Berlin und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) laden herzlich zur Schreibwerkstatt „Exploring Ecological Economics“ am 02.03 bis 06.03.2020 an der TU Berlin ein.

ALLE INFORMATIONEN FINDEN SIE AUCH HIER.

Das Seminar richtet sich sowohl an Lehramtsstudent*innen als auch an Student*innen der Ökonomie und ist offen für weitere Interessierte. Es soll sowohl einen Einstieg ins Thema ermöglichen, aber auch Fortgeschrittenen neue Einblicke geben. Voraussetzung für die Teilnahme sind eine hohe Motivation und die Bereitschaft zu Gruppenarbeit.

Nach einem gemeinsamen Einstieg in die ökologische Wirtschaftsforschung möchten wir in kleinen Gruppen von drei bis fünf Personen in einen Forschungsstrang der ökologischen Wirtschaftsforschung eintauchen. Begleitet werden die Kleingruppen von Wissenschaftler*innen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Ziel des Seminars ist es, mit unseren Ergebnissen Dossiers (z. B. Could gender equality help the economy?) zu verfassen, die anschließend auf Exploring Economics (deutsch/englisch) veröffentlicht werden können.

Anmeldung, Ablauf und Rahmen

Ihr könnt Euch bis zum 12. Januar 2020 anmelden. Dabei ist es möglich drei Präferenzen für die untenstehenden Themenschwerpunkte anzugeben. Wir bitten Euch, in der Anmeldung eine kurze Motivation für Eure Teilnahme und die Auswahl Eures Themenschwerpunktes zu schreiben. Bis zum 20. Januar 2020 geben wir euch eine Rückmeldung und stellen euch 3-5 Texte zu eurer Gruppe zur Verfügung, die eine gemeinsame Arbeits- und Gesprächsgrundlage bieten sollen.

Am Montag den 2. März um 10 Uhr treffen wir uns dann an der TU Berlin, Marchstraße 23, Raum MAR 1.001. An den ersten beiden Tagen findet eine Einführung in die ökologische Wirtschaftsforschung durch Gerrit von Jorck (TU Berlin & IÖW) statt. Am dritten Tag erfolgt eine Exkursion ans Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Dort werden die Kleingruppen sich auf die Expertengespräche zu ihren jeweiligen Themen vorbereiten und Interviews mit Wissenschaftler*innen des IÖW durchführen. Am vierten Tag ist dann Zeit für die verschiedenen Gruppen ihr Thema zu diskutieren, weiter zu studieren und einen ersten Entwurf ihres Dossiers zu entwickeln. Die Gruppen sind währenddessen völlig autonom darin, ob tagsüber oder nachts, am Tisch oder in den Bars Berlins gedacht und geschrieben wird. Am Freitag berichten wir uns gegenseitig aus unseren Gruppen und teilen unsere Erkenntnisse.

Das Blockseminar ist im Rahmen der Moduls „Vertiefung Ökonomie“ im Masterstudium des M.Ed. Arbeitslehre an der TU Berlin anerkannt und wird bei erfolgter Leistung mit 3,5 ECTS abgeschlossen.

Für Rückfragen stehen wir Euch gern zur Verfügung (E-Mail: ).

Thema 1: Wert der Natur (Prof. Dr. Alexandra Dehnhardt)

Die große Bedeutung von Natur und Landschaft für das menschliche Wohlergehen ist unumstritten. Dennoch werden der gesellschaftliche Wert von Ökosystemen und die Auswirkungen beispielsweise von Landnutzungsentscheidungen auf Natur und Landschaft in der politisch-administrativen Entscheidungsfindung häufig nicht ausreichend berücksichtigt, wie die fortschreitende Degradation natürlicher Ökosysteme und ein zunehmender Verlust an biologischer Vielfalt belegen. In den letzten Jahren hat das Konzept der Ökosystemleistungen zunehmend Eingang in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs gefunden, um durch die Offenlegung und Erfassung des Wertes intakter Ökosysteme für das menschliche Wohlergehen zu einem höheren gesellschaftlichen und politischen Bewusstsein und damit zu einem stärkeren Schutz beizutragen. 

Doch worin besteht genau der Wert der Natur und wie ermittelt man ihn? Welche Wertbestandteile umfasst das ökonomische Wertkonzept und was nicht? Welches Wissen ist erforderlich, um den Nutzen ‚grüner‘ Maßnahmen bzw. den Verlust einzelner Wertbestandteile oder Ökosystemleistungen infolge von Flächennutzungsänderungen zu erfassen? Und wie bindet man diese Informationen in die Entscheidungsfindung ein? Das IÖW erfasst und bewertet in einer Reihe von Forschungsprojekten den ökonomischen Wert von Ökosystemleistungen. Im Projekt PROSPER-RO werden die Auswirkungen von Flächennutzungsänderungen auf die Bereitstellung flächenabhängiger Ökosystemleistungen anhand von Indikatoren quantifiziert, monetär bewertet und in ein Entscheidungsunterstützungssystem eingebunden. Im Projekt BREsilient wird im Rahmen einer erweiterten Kosten-Nutzen-Analyse zur Priorisierung von Klimaanpassungsmaßnahmen der Wert städtischen Grüns mit ökonomischen Bewertungsansätzen (u.a. mit Hilfe eines Choice Experiments) erfasst und in den Abstimmungsprozess innerhalb des politisch-administrativen Systems eingebunden.

Mehr Informationen: BREsilient und PROSPER-RO

Thema 2: Vorsorgende Postwachstumspolitiken (David Hofmann)

In Wissenschaft und Politik besteht in Deutschland ein weitgehender Konsens darüber, dass die planetaren Grenzen eingehalten werden müssen. Doch zeigen praktisch alle ökologischen Indikatoren in eine gegenteilige Richtung. Mit dem bisherigen BIP-Wachstum ging ein Ressourcenverbrauch einher, der mit den planetaren Leitplanken nicht verträglich ist. Die Umweltpolitik war bislang nicht in der Lage, den Ressourcenverbrauch vom wirtschaftlichen Wachstum hinreichend zu entkoppeln. Im Zuge der stärkeren Digitalisierung der Wirtschaft durch Industrie 4.0, das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz entstanden neue Hoffnungen, den Umweltverbrauch radikal zu reduzieren. Diese Prozesse haben in der Vergangenheit jedoch noch keine weitreichenden Früchte getragen. Effizienzsteigerungen konnten – zumindest bisher – den Ressourcenverbrauch nicht soweit reduzieren, wie dies aus Ressourcenschutzsicht erforderlich wäre.

Mehr Informationen: Ressourcen und Postwachstum

Thema 3: Das Management von Energie- und Material-Effizienz in Unternehmen (Dr. Christian Lautermann und Patrick Schöpflin)

Zwar konnten Innovationen die Energie- und Materialeffizienz in den letzten Jahren beachtlich steigern, allerdings sank dadurch der absolute Energie- und Rohstoffverbrauch nicht im nötigen Umfang. Neben den Konsumenten und der Politik tragen insbesondere Unternehmen eine Verantwortung dafür zu sorgen, dass technologische Effizienzfortschritte zu absoluten Umweltentlastungen führen. Vor diesem Hintergrund soll das Dossier die Möglichkeiten und Grenzen des Managements von Energie- und Material-Effizienz in Unternehmen differenziert darstellen.

Darin sollen grundlegende Konzepte und Strategien für den effizienten und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen (wie Ökoeffizienz, natural-resource-based view) mit Fokus auf Unternehmen aufgearbeitet werden. Darauf aufbauend sind die Maßnahmen und Instrumente (also Managementsysteme, Mess- und Bilanzierungsmethoden) systematisch darzustellen. Außerdem sind die prinzipiellen und operativen Grenzen und Schwierigkeiten (wie Rebound-Effekte, Efficiency Gaps) zu berücksichtigen. Schließlich sollten auch relevante Rahmenbedingungen und ihr Einfluss auf die Möglichkeiten und Grenzen von Effizienzmanagement in Unternehmen in die Thematik eingeordnet werden. Dazu gehören etwa ökonomische Kräfte (Markteffekte, Wettbewerbsdruck, Wachstumstreiber), technologischer Fortschritt und politische Programme (z.B. ProgRess).

Mehr Informationen: www.meru-projekt.de (dort insbesondere das Hintergrundpapier zum konzeptionellen Rahmen)

Thema 4: Genossenschaftliche Ansätze in der Plattformökonomie (Jonas Pentzien)

Was Anfang der 2000er Jahre mit eBay, Amazon und Preisvergleichsplattformen für Flüge und Hotels begann, wurde spätestens mit Airbnb und Uber zum Geschäftsmodell „par excellence“: die digitale Plattform. Heute liefert Spotify die Musik und foodora das Essen, Taxis und Hotels werden ebenso über Plattformen gebucht wie Bestattungen, Haushaltshilfen oder Rechtsberatungen. Aus sozial-ökologischer Perspektive ist dieser Prozess der 'Plattformisierung' kritisch zu sehen. So lässt sich in sozialer Hinsicht die Entstehung eines digitalen Prekariats beobachten, das in zunehmende Abhängigkeit von einigen wenigen Plattformunternehmen gerät. Aus ökologischer Perspektive waren anfangs positive Erwartungen mit der 'Plattformisierung' verbunden. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass digitale Plattformen mit ihrer On-Demand-Kultur sowie der Schaltung personalisierter Onlinewerbung eher additiven Konsum als suffiziente Lebensstile fördern und den Ressourcenverbrauch durch Verpackungsmüll und Paketlieferungen sogar zusätzlich steigern. Wie sieht es in diesem Kontext eigentlich mit Alternativen aus? Welche Chancen bieten bspw. genossenschaftliche Modelle für die Plattformökonomie? Ist eine sozial-ökologische Plattformisierung denkbar? Wenn ja, welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein? In Zusammenarbeit mit Forscher*innen an der Universität Mannheim und am Fraunhofer IBP in Stuttgart werden am IÖW Formen der Dezentralisierung in der Plattformökonomie auf unterschiedlichen Ebenen erforscht und ihre Wirkungen untersucht.

Mehr Informationen: www.platforms2share.org

Thema 5: Makro-Rebounds begrenzen (Dr. Jan Peuckert)

Trotz erheblicher Effizienzfortschritte in den letzten 40 Jahren ist in Deutschland der absolute Verbrauch an Energie und Ressourcen nicht im entsprechenden Maße gesunken. Oft wird dies mit dem Rebound-Effekt begründet, also damit, dass eine induzierte Konsumsteigerung die Gewinne an Effizienz in der Summe zunichtemacht. Um das empirisch zu überprüfen, untersucht das Projekt das Verhältnis makroökonomischer Rebound-Effekte und anderer Einflussfaktoren des Wirtschaftswachstums hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Energie- und Ressourcenverbrauch.

Mehr Informaionen: www.macro-rebounds.org

Thema 6: Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und Nachhaltiger Konsum (Prof. Dr. Ulf Schrader und Stefanie Gerold)

Der Einsatz effizienterer Techniken und Prozesse in der Arbeitswelt ebenso wie im Privatleben verspricht zunächst Zeit einzusparen. Vielfach bleibt jedoch das subjektive Gefühl bestehen, immer weniger Zeit zur freien Verfügung zu haben. Die neuen Möglichkeiten, asynchron über Apps zu kommunizieren, Informationen zu suchen oder Einkäufe in immer kürzerer Zeit zu erledigen, hat bisher tendenziell zu einer Steigerung der Tätigkeiten pro Zeiteinheit geführt anstatt zu mehr Zeitwohlstand. Diese paradoxe negative Wirkung der Nutzung vermeintlich „zeitsparender“ Techniken und Prozesse auf die subjektive Wahrnehmung von Zeit bezeichnen wir im ReZeitKon-Projekt als Zeit-Rebound-Effekt. Die zunehmende Verdichtung unserer Aktivitäten und die damit einhergehende erlebte Zeitnot können weiterhin zu einem steigenden Ressourcenverbrauch führen, zum Beispiel durch Kompensationskäufe. So belohnen wir uns mit dem Kauf eines guten Buches nach einer stressigen Woche oder kaufen uns das neueste Fitnessgerät, um im Hamsterrad noch mithalten zu können. Zur eigentlichen Nutzung dieser Dinge fehlt jedoch dann die Zeit. Zeit-Rebound-Effekte können auch Folge von Arbeitszeitverkürzung sein, wenn die „frei“ gewordene Zeit wiederum mit ressourcenintensiven Tätigkeiten gefüllt wird.

Mehr Informationen: www.zeit-rebound.de

Thema 7: Neue Allianzen für Nachhaltigkeitspolitik (Helen Sharp und Jana Flemming)

Umweltpolitische Akteure machen vermehrt die Erfahrung, dass sie ohne kooperatives Denken und Handeln nicht vorankommen. Die Zusammenhänge mit anderen Politikfeldern sind zu eng, die Auswirkungen des notwendigen Wandels zu groß. Es kommt darauf an, weitere gesellschaftliche Akteure für Nachhaltigkeitspolitik zu gewinnen, nicht nur programmatisch, sondern auch praktisch. Herausfordernd ist, dass eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft Verteilungskonflikte mit sich bringt, die nicht allein die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft betreffen, sondern auch soziale Auswirkungen haben. Eine Transformation der Produktions- und Lebensweise muss daher sozial und ökologisch für alle gestaltet werden. Die Verhältnisse müssen sich ändern, und nicht nur das Verhalten.

Mehr Informationen: Neue Allianzen für Nachhaltigkeitspolitiken

Thema 8: Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation (Josephin Wagner)

Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich mitten in einem epochalen strukturellen Wandel, der maßgeblich durch die Digitalisierung der Produktion und des Konsums vorangetrieben wird. Konzepte wie Industrie 4.0 und das ‚Internet der Dinge’ werden als neue Wachstumsstrategien gepriesen, doch über die sozial-ökologischen Implikationen dieser Entwicklung wissen wir noch zu wenig. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Berlin werden am IÖW mögliche Rebound-Risiken aber auch Suffizienz-Chancen digitaler Dienstleistungen erforscht.

Mehr Informationen: https://www.nachhaltige-digitalisierung.de/

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