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TU Berlin

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ReZeitKon – Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und nachhaltiger Konsum

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Projekthintergrund

Der Einsatz effizienterer Techniken und Prozesse in der Arbeitswelt ebenso wie im Privatleben verspricht zunächst Zeit einzusparen. Vielfach bleibt jedoch das subjektive Gefühl bestehen, immer weniger Zeit zur freien Verfügung zu haben. Die neuen Möglichkeiten, asynchron über Apps zu kommunizieren, Informationen zu suchen oder Einkäufe in immer kürzerer Zeit zu erledigen, hat bisher tendenziell zu einer Steigerung der Tätigkeiten pro Zeiteinheit geführt anstatt zu mehr Zeitwohlstand. Diese paradoxe negative Wirkung der Nutzung vermeintlich „zeitsparender“ Techniken und Prozesse auf die subjektive Wahrnehmung von Zeit bezeichnen wir im ReZeitKon-Projekt als direkten Zeit-Rebound-Effekt. Die zunehmende Verdichtung unserer Aktivitäten und die damit einhergehende erlebte Zeitnot können weiterhin zu einem steigenden Ressourcenverbrauch führen, zum Beispiel durch Kompensationskäufe. So belohnen wir uns mit dem Kauf eines guten Buches nach einer stressigen Woche oder kaufen uns das neueste Fitnessgerät, um im Hamsterrad noch mithalten zu können. Zur eigentlichen Nutzung dieser Dinge fehlt jedoch dann die Zeit. Die ungelesenen Bücher sowie das ungenutzte Fitnessgerät können die erlebte Zeitnot sogar noch weiterhin erhöhen. Den zusätzlichen Verbrauch natürlicher Ressourcen in Folge von subjektiv wahrgenommener Zeitknappheit bezeichnen wir im ReZeitKon-Projekt als indirekten Zeit-Rebound-Effekt. Zeit-Rebound-Effekte können auch Folge von Arbeitszeitverkürzung sein, wenn die „frei“ gewordene Zeit wiederum mit ressourcenintensiven Tätigkeiten gefüllt wird. Indem die subjektive Zeitwahrnehmung im ReZeitKon-Projekt berücksichtigt wird, erfährt die Zeit-Rebound-Forschung eine wesentliche Erweiterung.

Projektziele

Im ReZeitKon-Projekt soll die Bedeutung von Zeit-Rebound-Effekten für die Nachhaltigkeit des Konsums empirisch analysiert und quantifiziert werden. Für zentrale Konstrukte der Zeitforschung, wie Zeitnot und Zeitwohlstand, werden dazu neue Erhebungsmethoden entwickelt. Praxisrelevante Ziele umfassen die Entwicklung und Evaluation von Maßnahmen in drei Interventionsbereichen, die sowohl direkten als auch indirekten Zeit-Rebound-Effekten entgegenwirken. Für Schulen wird ein Bildungsangebot zur Entwicklung von Kompetenzen im Umgang mit Zeit, Konsum und Nachhaltigkeit entwickelt. Gemeinsam mit Unternehmen werden transdisziplinär Maßnahmen zu betrieblicher Zeitpolitik erarbeitet und evaluiert, die zur Steigerung des Zeitwohlstands von Mitarbeitenden beitragen. Schließlich soll ein Ratgeber zu Zeit und Nachhaltigkeit entstehen, welcher auf Basis unserer Untersuchungen und kritischer Evaluation von Zeitmanagementliteratur Möglichkeiten zur Stärkung der eigenen Zeitkompetenz im Privatleben aufzeigt.

Methoden

Der Zusammenhang zwischen den zentralen Konstrukten Zeit-Rebound-Effekt, objektive Zeitverwendung, subjektive Zeitwahrnehmung und Nachhaltigkeit des Konsums wird im Projekt mit Hilfe einer ersten umfassenden deutschlandweiten Repräsentativerhebung zum Thema empirisch überprüft. Zusammen mit innovativen Praxispartnern werden im Projekt partizipativ Maßnahmen entwickelt, die zu einer Reduktion von Zeit-Rebound-Effekten beitragen. Die Maßnahmen sollen sowohl bei der objektiven Zeitverwendung als auch bei der subjektiven Zeitwahrnehmung ansetzen. Dabei setzen wir die im Kontext der Repräsentativbefragung entwickelten Messinstrumente in allen drei Interventionsbereichen zur Untersuchung von Determinanten und Effekten von Zeitknappheit ein. Im Sinne eines Mixed-Method-Ansatzes wird diese quantitative Evaluation insbesondere in den Fallstudien mit Praxispartnern um qualitative Befragungen ergänzt, die ein vertieftes Verständnis der identifizierten Zusammenhänge erlauben.

Zeitplan und Finanzierung

Das Projekt läuft vom 01.09.2018 bis zum 31.08.2021. Es wird im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Nachhaltiges Wirtschaften“ mit insg. 1,15 Mio. EUR gefördert.

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Projektkoordination und Ansprechpartner

ReZeitKon wird von der Technischen Universität Berlin (Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum (ALÖNK)) im Verbund mit der Leuphana Universität Lüneburg (Institut für Umweltkommunikation (INFU)) sowie dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI, Karlsruhe) durchgeführt. Das Projekt wird begleitet durch einen Beirat mit prominenten Repräsentant/innen relevanter zivilgesellschaftlicher Institutionen, die sich bereits seit Jahren mit dem Zusammenhang von Zeit- und Ressourcennutzung im Hinblick auf Arbeit, Bildung und Konsum auseinandersetzen. Ansprechpartner an der TU Berlin sind

Verbundprojektleitung:

Prof. Dr. Ulf Schrader (schrader(at)tu-berlin.de)

 

Co-Projektleitung:

Dr. Sonja Geiger (sonja.geiger(at)tu-berlin.de)

 

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen TU:

Stefanie Gerold (stefanie.gerold(at)tu-berlin.de)

Gerrit von Jorck (gerrit.vonjorck(at)tu-berlin.de)

Zusatzinformationen / Extras

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